Das Ziel unserer Arbeit ist, dass geflüchtete Kinder in der ganzen Schweiz vor Gewalt geschützt sind, gesund aufwachsen können und Zugang zu formeller und non-formaler Bildung erhalten. Dazu setzen wir derzeit folgende vier Projekte in enger Zusammenarbeit mit unseren Partner*innen im Asyl- und Migrationsbereich um.

  • Das Projekt Kinderfreundliche Zentren unterstützt Fachpersonen und Freiwillige dabei, in der Unterkunft einzelne Räume kindgerecht einzurichten und darin Betreuungsangebote für Kinder und Jugendliche umzusetzen. Die Betreuungspersonen erhalten Schulungen, individuelle Coachings und direkt einsetzbare Materialien wie Aktivitäten-Anleitungen oder einen Lern- und Spielwagen.
  • Im Rahmen des Projektes Elternfreundliche Zentrenerhalten Organisationen im Asyl- und Migrationsbereich einfach umzusetzende Elternarbeits-Module. Mit Hilfe von Schulungen, Handbüchern und Karten-Sets können Fachpersonen und Freiwillige mit Eltern im Alltag thematisieren, wie sie die Bildung und psychische Gesundheit ihrer Kinder fördern und durch ihr Erziehungsverhalten emotionalen Halt und Orientierung vermitteln können.
  • Mit unserem Angebot Kindersichere Zentren unterstützen wir Organisationen im Asyl- und Migrationsbereich, geflüchtete Kinder und Jugendliche effektiv vor Gewalt zu schützen. Ausgehend von einer Bedarfsanalyse werden Unterkünfte dabei unterstützt, Massnahmen und Prozesse zum Schutz von Kindern und Jugendlichen zu entwickeln und umzusetzen.
  • Mittels Workshops mit geflüchteten Kindern und Jugendlichen zur Umsetzung der Kinderrechtskonvention möchten wir im Projekt „So sind wir zuhause“ mehr über den Alltag und die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen erfahren und ihren Perspektiven eine Plattform bieten.

Gerne geben wir unser Wissen weiter und bieten massgeschneiderte Schulungen für Fachpersonen und Freiwillige an.

Nina Hössli Leiterin Schweizer Programme

Unser Schulungsangebot auf einen Blick

Schulungsangebot Kindgerechte Asylzentren pdf - 269,81 KB

Kinderfreundliche Zentren

Ein sicherer Ort, altersgerechte Aktivitäten, entwicklungsfördernde Anregungen und klare Strukturen ermöglichen Kindern mit Fluchterfahrungen, sich zu stabilisieren und auf Lernprozesse einzulassen. Dies fördert langfristig auch ihre Integration in der Schweiz.

Betreuungsangebote für Kinder und Jugendliche in Kollektivunterkünfte durchzuführen, ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Die Kindergruppen sind häufig sehr unterschiedlich zusammengesetzt hinsichtlich Alter, Sprachen, kulturelle Hintergründe oder Schulerfahrungen. Zudem hatten viele der Kinder und Jugendlichen über Monate oder Jahre keine geregelten Tagesstrukturen.

Regelmässige Lern- und Spielaktivitäten sowie auf Kinder ausgerichtete Räumlichkeiten helfen jedoch nicht nur dabei, eine gesunde Entwicklung von Kindern und Jugendlichen zu fördern. Eine kinderfreundliche Gestaltung wirkt sich auch positiv und beruhigend auf die gesamte Atmosphäre einer Unterkunft aus.

Dank den Erfahrungen aus unserem Pilotprojekt Kinder- und Jugendfreundliche Räume und unserer Beratungstätigkeit in verschiedensten Asylunterkünften können wir Organisationen im Asyl- und Migrationsbereich individuell unterstützen. Mittels Schulungen und Coachings bauen wir gemeinsam auf pragmatische Weise kinderfreundliche Räume und Aktivitäten auf und helfen, diese in die bestehenden Abläufe zu integrieren.

Icon Kinderfreundlicher-Raum-Haus

Kinderfreundliche Räume einrichten Wir unterstützen Unterkünfte dabei, einen oder mehrere Räume kinderfreundlich einzurichten. Wir geben Empfehlungen zu Raumgestaltung und Material ab, geben Einkaufstipps und helfen bei der Einrichtung.

Icon Ballspiel

Kinderfreundliche Aktivitäten durchführen Mitarbeitende in Kollektivunterkünften haben oftmals wenig zeitliche Ressourcen für die Umsetzung von kinderfreundlichen Aktivitäten. In unseren Schulungen und Coachings leiten wir Mitarbeitende und Freiwillige Schritt für Schritt an, ein einfaches, aber qualitativ gutes Betreuungsangebot für Kinder und Jugendliche aufzubauen. Die Fachpersonen und Freiwilligen lernen wesentliche pädagogische Grundhaltungen kennen und üben, wie sie einfache Lern- und Spielangebote strukturieren und umsetzen können. In individuell ausgestalteten Coachings werden zudem Tipps und Tricks vermittelt, um mit den besonderen Herausforderungen in der Betreuung dieser heterogenen Kindergruppen umzugehen.

Icon Checkliste

Hilfsmittel für kinderfreundliche Aktivitäten Wir stellen den Mitarbeitenden einen Ordner mit vielfältigen Anleitungen für einfache und komplexere Aktivitäten mit Kindern zur Verfügung. Für die Durchführung der Aktivitäten benötigt es keine Vorkenntnisse, wenig Vorbereitungszeit und kaum spezielles Material. Die Aktivitäten sind praxiserprobt, fördern verschiedene Kompetenzen von Kindern und Jugendlichen und machen Spass. Bei Bedarf stellen wir Unterkünften zudem einen unserer Lern- und Spielwagen zur Verfügung – ein mobiler kinder- und jugendfreundlicher Raum in einem Leiterwagen. Er enthält eine Grundausstattung an Spiel- und Bastelmaterial, so dass sofort mit kinderfreundlichen Aktivitäten losgelegt werden kann.

Pädagogische Leitlinien Kinderfreundliche Räume pdf - 531,95 KB

Vor und nach dem Einrichten der kinderfreundlichen Räume:

Elternfreundliche Zentren

Eltern sind die wichtigsten Bezugspersonen für ihre Kinder. Erziehung und Betreuung ist für geflüchtete Eltern im Asyl- und Migrationskontext jedoch eine anspruchsvolle Aufgabe. Mit einem Pilotprojekt unterstützen wir Asylzentren dabei, Eltern in Kollektivunterkünften bei der Bewältigung dieser Herausforderungen zu begleiten.

Das Projekt stärkt die Eltern in ihrer Erziehungsrolle, so dass sie ihren Kindern bei psychosomatischen Stress-Symptomatiken einfache Hilfestellungen geben, die Kinder in ausserschulischen Lernprozessen fördern und ihnen Orientierung und eine verlässliche Beziehung vermitteln können.

Die nachfolgende Darstellung bietet eine Übersicht über die thematischen Inhalte, verwendeten Materialien und Einsatzmöglichkeiten:

Inhalte zum Projekt "Eltern stärken" pdf - 63,59 KB

Die Unterlagen sind so aufbereitet, dass sie von Fachpersonen, Betreuungspersonen und Freiwilligen in einer Unterkunft innert kurzer Zeit selbständig umgesetzt werden können. Damit wird sichergestellt, dass die Elternarbeit langfristig in einer Unterkunft verankert wird.

Elternarbeit in einer Unterkunft verankern

Das Elternprojekt kann je nach Möglichkeiten der Unterkunft im Deutsch-Unterricht, in Angeboten der Gesundheitsdienste, im Rahmen von Hausversammlungen oder kinderfreundlichen Aktivitäten umgesetzt werden. Die für Elternarbeit zuständigen Mitarbeitenden und Freiwilligen werden an einer Schulung von uns in die Inhalte des Elternangebotes eingeführt und anschliessend beim Aufbau der Elternarbeit individuell begleitet. Bei Bedarf können erste Eltern-Aktivitäten zudem exemplarisch gemeinsam mit den Fachpersonen von Save the Children Schweiz durchgeführt werden.

Materialien zur Umsetzung der Elternarbeit

Die Unterkünfte erhalten ein Handbuch, welches Schritt-für-Schritt-Anleitungen zur Umsetzung kleinerer Workshops à ½ bis 2 Stunden mit Eltern enthält. Zudem erhalten sie eine Sammlung von Bildkarten und Plakaten, welche die wichtigsten Informationen in verschiedenen Sprachen darstellen und den Eltern als Erinnerungshilfen abgegeben werden können.

Zusätzlich finden Mitarbeitende und Eltern auf unserer Eltern-Webseite savethechildren.ch/parents in verschiedensten Herkunftssprachen weitere Informationen zu Gesundheit, Stressabbau oder Erziehung.

Kindersichere Zentren

Geflüchtete Kinder und Jugendliche sind in besonderem Masse auf Schutz vor (weiteren) Gewalterfahrungen, Vernachlässigung und Ausbeutung angewiesen. Kindesschutz hat auch im Asyl- und Migrationsbereich oberste Priorität.

Asylzentren sind durch ihre räumlichen und strukturellen Bedingungen, der finanziellen und personellen Ressourcen sowie der psychosozialen Belastung der BewohnerInnen mit verschiedenen Risikofaktoren konfrontiert, welche Gewalt und eine Gefährdung des Kindeswohls begünstigen. Dementsprechend ist es von besonderer Bedeutung, dass der Schutz von Kindern prioritär behandelt und mittels spezifischen Massnahmen nachhaltig im Alltag verankert wird. Wir unterstützen Organisationen im Asyl- und Migrationsbereich dabei, ein auf die jeweilige Institution und Situation abgestimmtes Schutzkonzept zu entwickeln.

Analyse und Empfehlungen

Unsere Beratung basiert auf einem kinderrechtsorientierten Assessment. Mittels einer Unterkunftsbegehung und strukturierten Interviews mit Personal und Bewohner*innen vor Ort wird ein Bericht zuhanden des Leitungsgremiums erstellt. Im Prozess wird eine Unterkunft ganzheitlich aus Kindesschutz-Perspektive betrachtet. Es werden u.a. die bauliche Infrastruktur und Umgebung, die Zugänglichkeit und Nutzung von privaten und gemeinschaftlichen Räumen, potentielle Konfliktthemen, bestehende interne Verhaltensrichtlinien und Abläufe sowie vorhandenes Wissen zu Kindesschutzthematik analysiert.

Im hektischen Zentrumsalltag gehen die Bedürfnisse von Kindern leider manchmal unter. Auf Anstoss des Berichts haben wir neu eine Kinderbetreuerin eingestellt und mit unseren Auftraggebern die Situation der Kinder im Zentrum diskutiert.

Leiter eines Asylzentrums

Im Bericht werden bestehende Lücken aufgezeigt sowie praktische Empfehlungen zur Verbesserung der kindersicheren Unterbringung formuliert. Die Institution priorisiert anschliessend die notwendigen Massnahmen und entscheidet über die nächsten Schritte. Save the Children begleitet die Institution bei Bedarf bei der Umsetzung der gewählten Massnahmen.

Entwicklung von Kindesschutz-Konzepten

Ausgehend von der detaillierten Analyse unterstützen wir Organisationen im Asyl- und Migrationsbereich, für sie passende und umsetzbare Kindesschutz-Konzepte zu entwickeln. Dazu gehören u.a.

  • die Schaffung von sicheren Innen- und Aussenräumen sowie die Minimierung von potentiellen Risiken
  • die Entwicklung und Umsetzung von Verhaltensrichtlinien im Umgang mit Kindern sowie die Schulung des gesamten Teams zu diesen Richtlinien.
  • die Entwicklung und Umsetzung eines klar definierten Meldeprozesses von Verdachtsfällen oder konkreten Vorfällen
  • sowie eine umfassende Information und Unterstützung der Kinder und Eltern

Die Checkliste für Kindesschutz-Konzepte im Asyl- und Migrationsbereich stellt die verschiedenen empfohlenen Elemente eines Kindesschutzsystems dar.

Checkliste Kindesschutz im Asyl- und Migrationsbereich pdf - 688,77 KB

So sind wir zuhause

Über die Lebenssituation von geflüchteten Kindern in Kollektivunterkünften ist nach wie vor noch wenig bekannt. Mit Kinderrechts-Workshops möchten wir die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen noch besser kennenlernen und ihnen für ihre Perspektiven eine Plattform bieten.

Geflüchtete Kinder und Jugendliche werden im öffentlichen Diskurs selten direkt gefragt, wie es ihnen geht, wie sie ihr (temporäres) Zuhause in der Schweiz erleben und was sie sich für ihren Alltag und ihre Zukunft wünschen. Doch auch sie haben ein Recht darauf, angehört zu werden und sich partizipativ zu beteiligen.

Im Rahmen des Staatenberichtsverfahren zur Umsetzung der Kinderrechtskonvention in der Schweiz haben wir am ersten „Partizipativen Kinder- und Jugendbericht zu den Kinderrechten“ mitgewirkt und dazu Stimmen von geflüchteten Kindern und Jugendlichen gesammelt. Auch nach Abschluss dieses Berichtsverfahrens geben wir Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, ihre Erfahrungen, Wünsche und Verbesserungsvorschläge mitzuteilen und sich aktiv an der Diskussion um ihre Lebenssituation einzubringen.

Dazu führen wir Kinderrechtsworkshops in Asylunterkünften durch. Kinder, Jugendliche und Eltern lernen die Kinderrechtskonvention und einzelne Kinderrechte kennen. Davon ausgehend diskutieren wir die Verwirklichung dieser Rechte in ihrem Alltag. Dazu gehört auch die Möglichkeit, auf vorhandene Lücken in der Umsetzung der Kinderrechtskonvention hinzuweisen. Die Aussagen der Teilnehmenden werden in anonymisierter Form aufbereitet und mit den zuständigen Stellen werden konkrete Verbesserungsmöglichkeiten diskutiert.

Die Workshops können bei Interesse mithilfe einer Schritt-für-Schritt-Anleitung sowie fertig aufbereitetem und in einige Sprachen übersetztem Material auch selbständig durchgeführt werden.

Abgeschlossenes Pilotprojekt "Kinder- und jugendfreundliche Räume"

Von 2016 bis 2018 haben wir in drei Asylzentren auf Bundesebene das Pilotprojekt „Kinder- und Jugendfreundliche Räume“ umgesetzt. Kinderfreundliche Räume sind ein von Save the Children international erprobtes und evaluiertes Programm zur Unterstützung von Kindern und Jugendlichen, die in Krisensituationen oder in Gemeinschaftsunterkünften leben.

Ende 2018 konnten wir das Pilotprojekt erfolgreich abschliessen. Während des Pilotprojektes konnten über 1000 geflüchtete Mädchen und Jungen an bis zu fünf Tagen pro Woche von einem altersgerechten professionellen Betreuungsangebot profitieren. Seit der Projektübergabe führen die Asylzentren der Projektstandorte die „Kinder- und Jugendfreundlichen Räume“ in Eigenregie weiter. Weitere Informationen finden Sie in der Projektdokumentation und den Medienberichten.

Bericht zum Pilotprojekt "Kinder- und jugendfreundliche Räume" pdf - 1,84 MB

Medienberichte zum Pilotprojekt "Kinderfreundliche Räume" pdf - 1,23 MB

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