Militärische Checkpoints, bewaffnete Soldaten und Angriffe durch Siedler prägen für viele palästinensische Kinder im Westjordanland den Weg zur Schule. Kinder berichten Save the Children von Angst, Gewalt und einem Alltag, in dem selbst Schulen keinen sicheren Ort mehr darstellen.

📍 Westjordanland

Wenn der Schulweg zum «Weg der Angst» wird

Militärische Checkpoints, bewaffnete Soldaten und Angriffe durch Siedler prägen für viele palästinensische Kinder im Westjordanland den Weg zur Schule. Kinder berichten Save the Children von Angst, Gewalt und einem Alltag, in dem selbst Schulen keinen sicheren Ort mehr darstellen.

Für viele Kinder im Westjordanland beginnt die Unsicherheit bereits auf dem Weg zum Unterricht. Militärische Checkpoints, Kontrollen und Einschränkungen der Bewegungsfreiheit machen tägliche Schulwege lang und belastend. Manche Kinder müssen auf ihrem Weg mehrere Checkpoints passieren. Schulkinder haben Save the Children berichtet, dass israelische Soldaten sie und andere Kinder anhalten, durchsuchen und schikanieren. Sie berichten auch von körperlichen Übergriffen und Festnahmen.

Der 14-jährige Yousef erzählt von einem besonders einschneidenden Erlebnis. Soldaten hätten ihn an einem Checkpoint mit einer Waffe bedroht und dazu gezwungen, seine palästinensische Identität zu verleugnen und «Lang lebe Israel» zu sagen. Gleichzeitig hätten sie ihm einen Davidstern auf die Hand gezeichnet. Die schwierigen Erfahrungen haben Yousef seine Zukunftsträume nicht genommen. Er möchte Arzt oder Ingenieur werden und etwas bewirken, das anderen Menschen zugutekommt.

Ich träume davon, Ingenieur oder Arzt zu werden, damit ich mir einen Namen machen und etwas lernen kann, das der Welt zugutekommt.

Yousef 14 Jahre

Angst vor Angriffen durch Siedler

Neben den militärischen Kontrollen berichten Kinder und Familien von zunehmender Gewalt durch israelische Siedler. Seit Jahresbeginn habe es 13 Angriffe von Siedlern auf Schulen im Westjordanland gegeben, von denen rund 700 Schülerinnen und Schüler betroffen gewesen seien.

Der 15-jährige Khalid wurde nach eigenen Angaben in seinem Dorf von Siedlern angeschossen. Es sei nicht das erste Mal gewesen, dass er angegriffen wurde; nach einem früheren Angriff musste er im Spital behandelt werden.

Auch Kareem, 16, lebt in einem ländlichen Dorf und berichtet von regelmässigen Angriffen auf seinem Schulweg. Er bezeichnet den Weg zum Unterricht als einen «Weg der Angst».

«Es ist schwer für mich, wenn ich auf dem Weg [zur Schule] einem Siedler mit seiner Schafherde begegne. Er greift mich an und schikaniert mich, sogar auf dem Rückweg. Manchmal schlägt er mich, nimmt mir meine Schultasche weg und zerreisst meine Schulbücher.»

Trotz der schwierigen Lebensbedingungen findet Kareem Freude daran, mit seinen Freunden Fussball zu spielen. Er ist entschlossen, in seiner Heimat zu bleiben.

Es ist schwer für mich, wenn ich auf dem Weg zur Schule einem Siedler mit seiner Schafherde begegne. Er greift mich an und schikaniert mich, sogar auf dem Rückweg. Manchmal schlägt er mich, nimmt mir meine Schultasche weg und zerreisst meine Schulbücher.

Kareem 16 Jahre

Palästinensische Kinder haben das Recht, ohne Angst zur Schule zu gehen

Save the Children arbeitet seit 1953 im besetzten palästinensischen Gebiet. Gemeinsam mit Partnerorganisationen unterstützt die Kinderrechtsorganisation Kinder, die von Gewalt durch israelische Streitkräfte und Siedler betroffen sind. Dazu gehören die Bereitstellung lebenswichtiger Güter, sichere Räume sowie psychosoziale Unterstützung für Kinder und ihre Bezugspersonen.

Darüber hinaus setzt sich Save the Children dafür ein, dass Kinder Zugang zu sicherer und inklusiver Bildung haben. Im nördlichen Westjordanland unterstützt die Organisation Familien zudem mit finanzieller Nothilfe.

Was sich Kinder wünschen, ist dabei grundlegend: ohne Angst zur Schule gehen, lernen, Freunde treffen und Zukunftspläne machen zu können. Yousef blickt trotz seiner Erlebnisse nach vorn:

Mein Rat an alle ist: Habt keine Angst, gebt nicht auf und bleibt stark. Ich träume davon, dass Palästina befreit wird, der Krieg in Gaza endet, die Menschen dort Essen haben und nie wieder hungern müssen.

Kinder erhalten Schultaschen von Save the Children in Gaza

Konflikt im Nahen Osten

Unsere Teams vor Ort sind für Kinder und Familien da. Save the Children ist neben dem Libanon auch in den besetzten palästinensischen Gebieten, in Syrien, im Irak, im Jemen, in Afghanistan, in Pakistan, in Jordanien und in der Türkei aktiv.

Mehr über unsere Arbeit vor Ort