Wenn Gesundheitsversorgung wegfällt, Schulen schliessen oder Schutzprogramme eingestellt werden, verlieren Kinder den Zugang zu lebenswichtiger Unterstützung. Gleichzeitig zeigt die Erfahrung: Investitionen in die internationale Zusammenarbeit wirken. Sie retten Leben, schaffen Perspektiven und stärken Gemeinschaften nachhaltig.

Keine Kürzungen auf Kosten der Kinder

Der Bundesrat hat angekündigt, die Mittel für die Entwicklungszusammenarbeit ab 2029 weiter zu kürzen. Doch was bedeuten solche Entscheide konkret für Kinder? Wir zeigen anhand zweier Geschichten, was langfristige Unterstützung für Kinder bewirkt.

Die Geschichte von Noor

Eigentlich sollte Noor bereits verheiratet sein. Die Jugendliche lebt in Cox’s Bazar in Bangladesch, im grössten Geflüchtetenlager der Welt. Stattdessen besucht sie heute unser Bildungsprogramm, das speziell auf die Situation von Rohingya-Mädchen zugeschnitten ist. Dort lernt sie lesen und schreiben, gewinnt Selbstvertrauen und erfährt von ihren Rechten. Mit Unterstützung einer Betreuerin gelingt es ihr schliesslich, ihre Eltern davon zu überzeugen, von der geplante Kinderehe abzusehen.

Noors Geschichte zeigt, was langfristige Unterstützung bewirken kann. Gerade solche nachhaltigen Fortschritte werden jedoch zurzeit durch die weltweiten Hilfskürzungen gefährdet.

Wer bei der internationalen Zusammenarbeit spart, spart nicht bei abstrakten Projekten – sondern bei den Chancen von Kindern.

Adrian Förster Geschäftsleiter Save the Children Schweiz

Das Flüchtlingslager Cox's Bazar

Seit bald neun Jahren leben über eine Million Rohingya in Cox’s Bazar, nachdem sie gewaltsam aus ihrer Heimat Myanmar vertrieben wurden. Viele von ihnen haben keine Staatsbürgerschaft, keine sichere Perspektive auf Rückkehr und kaum Möglichkeiten, sich ein selbstbestimmtes Leben aufzubauen. Mehr als die Hälfte der Menschen im Geflüchtetenlager sind Kinder.

Unser Projekt in Cox's Bazar

Risiko von Isolation und Frühheirat für Mädchen ist hoch

Noor ist kein Einzelfall. Viele Rohingya-Mädchen haben den Grossteil ihres Lebens im Geflüchtetenlager in Cox’s Bazar verbracht. Für sie ist die Situation besonders schwierig: Finanzielle Not, Sicherheitsbedenken und strenge Geschlechternormen führen dazu, dass viele nicht zur Schule gehen können und einem hohen Risiko einer Frühverheiratung ausgesetzt sind. Bildung kann diesen Kreislauf durchbrechen. Sie stärkt Wissen, Selbstvertrauen, Zukunftsperspektiven und schützt Mädchen vor Kinderehen.

Deshalb setzt unser Peer-to-Peer-Bildungsprogramm genau hier an. Es richtet sich an Rohingya-Mädchen, die bisher keinen Zugang zu Bildung hatten. In kleinen, geschützten Lerngruppen werden sie von Gleichaltrigen unterrichtet, die selbst unsere Lernzentren besuchen. Lehrkräfte und Betreuer:innen unterstützen die Gruppen, sichern die Qualität des Unterrichts und stärken das Vertrauen der Familien. Eltern und lokale Akteur:innen werden aktiv eingebunden, um das Bewusstsein für die Wichtigkeit der Bildung zu fördern.

Von der Schülerin zur Ernährerin

Auch Ramisa weiss, welchen Unterschied dieses Angebot macht. Sie war vor einigen Jahren selbst Schülerin und hat ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen.

Heute unterstützt sie als Peer Facilitator andere Mädchen beim Lernen. Gleichzeitig hat sie im Rahmen des Programms handwerkliche Fähigkeiten erworben. Mit dem Verkauf ihrer Stickereien kann sie zum Haushaltseinkommen beitragen – etwas, das seit dem Tod ihres Vaters für sie und ihre Geschwister elementar wichtig geworden ist.

Mädchen unterrichten Mädchen
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Peer to Peer Projekt Bisher haben 2760 Mädchen vom Bildungsangebot profitiert. Mehr als hundert Absolventinnen, die während oder nach dem Programm volljährig wurden, arbeiten heute als Lehrerinnen oder gehen anderen Beschäftigungen im Camp nach.


Folgen der Kürzungen sind bereits spürbar

Für diese Jugendlichen ist das Programm lebensverändernd. Es stärkt Wissen, trägt zu einem Umdenken bei – bei den Mädchen selbst, ihren Familien und auch in der Gemeinschaft – und eröffnet Perspektiven.

Genau solche Fortschritte geraten zunehmend unter Druck. In Cox’s Bazar sind die Folgen sinkender internationaler Unterstützung bereits spürbar: Lebensmittel werden rationiert, Gesundheitseinrichtungen geschlossen und Lernangebote reduziert. Ausgerechnet an einem Ort, an dem Kinder und Jugendliche besonders dringend Schutz, Bildung und Zukunftsperspektiven brauchen. Trotz dieser schwierigen Rahmenbedingungen läuft unser Bildungsprojekt weiter – dank diverser privater und institutioneller Unterstützer:innen aus der Schweiz.

Darüber hinaus konnten wir sogar eine neue Gesundheitsklinik im selben Camp eröffnen. Vor wenigen Tagen kam hier das erste Kind per Kaiserschnitt zur Welt. Dass Mutter und Kind sicher versorgt werden konnten, ist ein Grund zur Freude. Doch mit Blick auf die aktuellen Kürzungen stellt sich die Frage: Wird dieses Kind später lesen und schreiben lernen? Wird es seine Rechte kennen? Wird es die Chance erhalten, seine Zukunft selbst zu gestalten?

Der Bundesrat hat zusätzliche Einsparungen in der Entwicklungszusammenarbeit um weitere 100 Millionen Franken ab 2029 angekündigt. Save the Children beurteilt diesen Entscheid kritisch. Gerade in einer Zeit, in der weltweit immer mehr Länder ihre Unterstützung zurückfahren und die Folgen bereits sichtbar sind, verschlechtert dieser Entscheid die Situation der Kinder zusätzlich.

Aus über 100 Jahren Erfahrung als Kinderrechtsorganisation wissen wir: Entwicklungszusammenarbeit verändert Kinderleben und schafft Perspektiven dort, wo Kinder sonst kaum welche haben.

Adrian Förster Geschäftsleiter von Save the Children Schweiz

Das haben wir seit 1990 bewirkt

Die Wirkung unserer Arbeit für eine gerechtere Welt für Kinder lässt sich nicht nur an einzelnen Geschichten ablesen. Sie zeigt sich auch in konkreten Zahlen. Bei allen politischen Entscheiden dürfen wir aber nie vergessen: Dahinter stehen immer Menschen – und besonders Kinder. Kinder wie Noor, Ramisa oder das Neugeborene in Cox’s Bazar. Wir werden nicht aufhören, uns für sie einzusetzen. Denn jedes Kind hat das Recht, einfach Kind zu sein.