Bis zu 1,5 Millionen Kinder in Somalia – oder eines von fünf – könnten bis Oktober von tödlichen Formen der Unterernährung bedroht sein, wenn nicht sofort etwas unternommen wird. Dies ist eine letzte Warnung vor einer drohenden Hungersnot im Land.

Awo ist 23 Jahre alt und lebt in Burao, Somaliland, mit ihrem Mann Osman. Ihr ältestes Kind ist 11 Jahre und das jüngste 18 Monate alt, insgesamt hat die Familie sieben Kinder.

In einer am Montag veröffentlichten UN-Erklärung heisst es, dass Gemeinschaften, die von der Landwirtschaft leben sowie intern Vertriebene in den drei Gebieten der Bay-Region im Südwesten Somalias, zwischen Oktober und Dezember von einer Hungersnot bedroht sind. Dies, wenn nicht zeitnah umfangreiche humanitäre Hilfe die Bedürftigsten erreicht, denn Somalia hat mit der schlimmsten Dürre seit 40 Jahren zu kämpfen. Die UNO geht davon aus, dass im Oktober bis zu 1,5 Millionen Kinder von schwerer akuter Unterernährung betroffen sind.

Wir kommen zu spät für die Kinder und Erwachsenen, die bereits an Hunger gestorben sind – ein tragischer, vermeidbarer und qualvoller Tod. Ihr Tod ist nicht nur eine Katastrophe für ihre Familien, sondern zeigt in brutalster Form die wachsende globale Gleichgültigkeit gegenüber den Opfern der Klimakrise. Wir trauern um sie.

Mohamud Mohamed Hassan Landesdirektor von Save the Children Somalia

Save the Children warnt Geber und Regierungen seit über einem Jahr gemeinsam mit anderen Organisationen vor der sich zuspitzenden Krise am Horn von Afrika. In Somalia beispielsweise hat sich durch vier aufeinanderfolgende Dürren der Nahrungsmittelmangel extrem verschärft. Die Vorhersagen für die dringend benötigten Regenfälle im Oktober bis Dezember sind schlecht. Ein Ausbleiben der fünften Regenzeit würde zu einer beispiellosen Katastrophe führen.

Letzte Hungersnot in Somalia im 2011

Die letzte Hungersnot in Somalia im Jahr 2011 betraf ebenfalls die aktuell besonders bedrohte Bay-Region. Damals kamen rund 260’000 Menschen ums Leben – die Hälfte davon Kinder unter fünf Jahren. Seit Monaten warnt Save the Children davor, dass die Krankenhäuser mit einer Flut von schwer unterernährten Kindern überfordert sein werden. Die anhaltende Dürre in Ostafrika verunmöglicht es der Bevölkerung, Vieh zu züchten oder Getreide anzubauen. Hinzu kommt der Krieg in der Ukraine, der die Lebensmittelpreise in die Höhe treibt. Grundnahrungsmittel werden so für viele, die von Getreideimporten abhängig sind, unerschwinglich.

Die Frühwarnungen wurden zunächst weitgehend übersehen, obwohl die rasche Ausweitung der humanitären Hilfe seit Anfang 2022 zweifellos viele Menschenleben gerettet hat. Diese Massnahmen haben jedoch bei weitem nicht das erforderliche Ausmass erreicht. Es werden 1,5 Milliarden US-Dollar benötigt, um gefährdeten Kindern und ihren Familien die Nahrungsmittel, die Gesundheitsversorgung, die Bildung und das Wasser zu geben, das sie zum Überleben brauchen.

Die Hungersnot steht kurz bevor

Kinder in den am schlimmsten betroffenen Teilen Somalias leiden jetzt an Hunger und Unterernährung oder sie sterben an Krankheiten, die durch Hunger und Unterernährung ausgelöst werden. Mangelernährung macht Kinder – insbesondere Kleinkinder – viel anfälliger für Krankheiten wie Ruhr, Durchfall, Cholera, Malaria und Lungenentzündung.

Wenn Kinder unter fünf Jahren nicht genügend nährstoffreiche Nahrung zu sich nehmen oder aufgrund von Krankheiten nicht in der Lage sind, die richtigen Nährstoffe aufzunehmen, besteht ein hohes Risiko einer akuten Unterernährung, die zum Tod führen kann. Überlebt ein Kind, kommt es oft zu einer Verkümmerung und einer längerfristigen Beeinträchtigung der geistigen und körperlichen Entwicklung.

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Akute Unterernährung Die jüngste Analyse ergab, dass die Dürre seit Anfang 2021 rund 260'000 Menschen in der Bay-Region gezwungen hat, ihre landwirtschaftlichen Betriebe aufzugeben und auf der Suche nach Nahrungsmitteln und Hilfsgütern in Flüchtlingslager zu ziehen. Im Juli lag der Anteil der akut unterernährten Kinder unter fünf Jahren bei der Landbevölkerung bei 24,9 % und bei den intern vertriebenen Kindern bei 28,6 %.

Save the Children ist vor Ort

Save the Children ist seit 1951 in Somalia tätig und sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene führend in der humanitären Hilfe und Entwicklungshilfe in den Bereichen Gesundheit, Ernährung, Bildung, Kinderschutz und Kinderrechte.

In diesem Jahr hat Save the Children in Somalia mehr als 24’000 Menschen durch Bargeldprogramme erreicht und über 50’000 Kinder wegen Unterernährung behandelt. Derzeit versorgen wir mehr als 25’000 Haushalte mit Wasser und rund 11’000 Haushalte in den am stärksten betroffenen Gebieten mit bedingungslosen Bargeldlieferungen.

HELFEN SIE JETZT KINDERN IN NOT

Save the Children setzt alles daran, dass die am stärksten benachteiligten Kinder weltweit gesund aufwachsen, lernen und geschützt sind. Jede Spende zählt und wird dort eingesetzt, wo Hilfe am dringendsten benötigt wird.

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