Vier Tage, vier Projekte und viele inspirierende Begegnungen: Auf ihrer Reise durch Laos erhielt Nina Bissig, Leiterin Unternehmenspartnerschaften bei Save the Children Schweiz, Einblicke in die Arbeit von Save the Children vor Ort. Besonders beeindruckt hat sie, wie Kinder, Familien und ganze Gemeinschaften den Wandel selbst gestalten.
Reisebericht von Nina Bissig
Eindrücke aus Laos: Vier Tage, vier Projekte und eine Erkenntis
Jedes Projekt, das ich besucht habe, war unterschiedlich. Doch die wichtigste Erkenntnis war überall dieselbe: Dauerhafte Veränderungen gelingen nur gemeinsam mit den Menschen vor Ort.
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Tag 1
Mosquitos im Einsatz
In Vientiane, der Hauptstadt von Laos, haben wir eine Mosquito-Zuchtanlage und ein Verteilzentrum besucht, die im Herz eines ambitionierten Projekts zur Dengue-Prävention stehen. Innerhalb von nur fünf Monaten werden über 130 Millionen krankheitsreduzierende Mosquitos in der Stadt freigesetzt, nachdem die Dengue-Fallzahlen 2024 weltweit einen neuen Rekord erreicht haben.
Diese im Labor gezüchteten Mosquitos tragen Wolbachia in sich, ein natürlich vorkommendes Bakterium, das ihre Fähigkeit einschränkt, Viren zu übertragen. Wenn sie sich mit wilden Mosquito-Populationen paaren, verringern sie nach und nach die Ausbreitung von Dengue und anderen durch Mosquitos übertragenen Krankheiten. Für Kinder und ihre Familien bedeutet das: weniger Risiko, ernsthaft zu erkranken.
Klimabedingte Krankheiten wie Durchfall, eine der häufigsten Todesursachen bei Kindern unter fünf Jahren, treffen vulnerable Familien besonders hart.
Tag 2
Klimaresilienz und Gesundheit
Angesichts des sich beschleunigenden Klimawandels geraten die Gesundheitssysteme zunehmend unter Druck, denn Überschwemmungen, Hitzewellen und extreme Wetterereignisse erschweren es Familien, medizinische Versorgung in Anspruch zu nehmen, und hindern die Einsatzkräfte daran, rechtzeitig zu reagieren.
Am zweiten Tag in Laos haben wir ein Gesundheitszentrum besucht, das im Rahmen eines Projekts des Green Climate Fund unterstützt wird. Es hilft Gemeinden, sich auf die gesundheitlichen Folgen des Klimawandels vorzubereiten. Durch die Stärkung lokaler Gesundheitsdienste, bessere Infrastruktur, den Ausbau von Frühwarnsystemen und die enge Zusammenarbeit mit den Gemeinden erhalten Kinder und Familien auch bei Klimakatastrophen rechtzeitig Zugang zu hochwertiger Gesundheitsversorgung. So werden akute Risiken gemindert und die langfristige Widerstandsfähigkeit gestärkt.
Tag 3
Sichere Schulen, starke Stimmen
Wir haben eine Schule und eine Gemeinschaft in der Provinz Luang Prabang besucht, wo das Projekt «Lao Safe Schools» Kindern hilft, in sichereren Umgebungen zu lernen und aufzuwachsen. In einem Land, das immer häufiger von Überschwemmungen und Stürmen betroffen ist, sind Schulen mehr als Lernorte. Sie sind wichtige Schutzräume.
Was tust du, wenn eine Überschwemmung oder ein Sturm Häuser in deinem Dorf zerstört? Wer kann wie helfen? In Dörfern, die wegen der Strassenverhältnisse nur eingeschränkt erreichbar sind, übernimmt jedes Gemeindemitglied überlebenswichtige Verantwortung. Durch dieses Projekt werden Kinder dazu befähigt, in ihren Familien und Gemeinschaften als Botschafter:innen für mehr Resilienz zu wirken. Es war einfach beeindruckend zu sehen, mit welchem Stolz die Kinder die Gefahrenkarte für ihr Dorf erklärten und zeigten, wie man sich im Notfall verhält.
Tag 4
Normen verändern, Zukunft gestalten
Am letzten Tag haben wir Gemeinschaften besucht, die sich gegen Kinderehe, Frühehe und Zwangsheirat einsetzen. In Laos ist Frühheirat noch weit verbreitet und betrifft Mädchen wie Jungen. Rund 47 Prozent der Mädchen und 34 Prozent der Jungen heiraten vor dem 18. Geburtstag, manchmal bereits mit 12 oder 13 Jahren. Für viele Familien ist das ein Weg, mit Armut umzugehen und die Arbeitskraft im Haushalt zu erhöhen. Doch es beendet die Schulbildung der Kinder oft früh und gefährdet ihre Gesundheit und ihre Zukunft. Durch dieses Projekt werden junge Menschen und Familien durch die Vermittlung von Lebenskompetenzen, die Schaffung von Einkommensmöglichkeiten und offenen Gesprächen unterstützt, damit Jugendliche in der Schule bleiben, eine Heirat aufschieben und sich eine selbst bestimmtere Zukunft aufbauen können.
Eine kleine Starthilfe kann der Anfang einer selbstbestimmten Zukunft sein.
Wir haben zum Beispiel Onsy kennengelernt. Sie erhielt Gründungsfinanzierung, um in ihrem Dorf einen kleinen Laden zu eröffnen, in dem sie alltägliche Dinge wie Ramennudeln, Süssigkeiten und Kaugummi verkauft. Mit ihrem Geschäft trägt sie heute zum Familieneinkommen bei und kümmert sich gleichzeitig um ihre Eltern und ihre Grossmutter. Andere junge Frauen und Männer haben eine Ausbildung und Starthilfe erhalten, um mit der Haltung von Ziegen oder Hühnern eigene Einkommensquellen zu schaffen und so den wirtschaftlichen Druck zu verringern, der sie sonst in eine frühe Heirat treiben würde.
Erkenntnis: Was mich am meisten bewegt hat
Bei jedem Projekt ist mir eines aufgefallen: Die Gemeinschaften selbst sind es, die den Wandel vorantreiben. Was wir oft etwas sperrig «community-led programming» nennen, wird ganz greifbar, wenn man es in der Praxis sieht. Es geht um Vertrauen, Beteiligung und lokale Führung. Von Freiwilligen, die Moskito-Kolonien freisetzen, um ihre Nachbarschaft zu schützen, über Schulkinder, die ihren Eltern zeigen, wie man sich auf Katastrophen vorbereitet, bis hin zu Gemeinderäten, die darüber sprechen, wie Kinder in der Schule bleiben und Frühheiraten verhindert werden können. Immer wieder wurde deutlich: Nachhaltiger Wandel entsteht, weil die Gemeinschaften ihn selbst gestalten.