Hinsehen statt übersehen
Kinderrechte im Justizsystem stärken

Ein sorgfältiger Entwicklungsprozess
Von Beginn an wurden Fachpersonen im Justizbereich, inhaftierte Eltern, Angehörige und ihre Kinder in den Entwicklungsprozess miteinbezogen. In Gesprächen, Tests und Befragungen teilten sie ihre Erfahrungen: Was macht Angst? Wo entstehen Missverständnisse? Welche Informationen fehlen?
Angehörige von inhaftierten Personen wurden in den Entwicklungsprozess einbezogen und gefragt, ob das Wimmelbild den Alltag der betroffenen Kinder realistisch widerspiegelt. Rückmeldungen wie: «Das Bild spricht viele Lebensthemen an. Ich weiss [ ] von unserem Kind, dass es sich viel sehr alleine gefühlt hat. [ ] Die Trauer, dass der Vater nie in den Kindergarten gekommen ist, an keinem Besuchsmorgen teilgenommen hat, die Fragen der anderen Kinder nach dem Warum der Vater nie da ist. Ich denke, das ist ein schwieriges Thema für Vater und Kind, keines möchte im Gespräch verletzen oder das Kind traut sich nicht zu fragen, warum es denn zum Delikt gekommen ist.» flossen direkt in die Gestaltung ein. Der partizipative Prozess war zentral für die Entwicklung des Bildes.
Das Wimmelbild zeigt die Parallelwelten aller Betroffenen. Während der Besuchszeit im Gefängnis schafft es eine kindgerechte Atmosphäre im Hier und Jetzt und bringt Familien über Bilder und Geschichten in einer herausfordernden Lebenssituation spielerisch näher zusammen.
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Ein Blick ins Wimmelbild
Ein Kind wartet im Besuchsraum auf die inhaftierte Mutter oder ein inhaftierter Vater nimmt via Videoanruf am Geburtstag des Kindes teil. Das Wimmelbild macht alle Beteiligten sichtbar: Fachpersonen, die zuhören, Eltern, die Verantwortung übernehmen, und Kinder, die Fragen stellen dürfen. Damit wird es zu einem Instrument der Sensibilisierung und des Dialogs und trägt zu kinderfreundlicheren Besuchsmomenten in Gefängnissen bei.
Auf die Frage, ob eine angehörige Mutter das Bild mit ihrem Kind gemeinsam anschauen würde, antwortete sie: «Ja absolut. Ich habe immer wieder den Eindruck, dass es für mein Kind manchmal sehr schwierig vorstellbar ist, was sein Vater den ganzen Tag tut, mit was er sich beschäftigt, wie es im Gefängnis aussehen könnte. [ ] es hilft auch sehr, um die Welt im Gefängnis mit der Welt ausserhalb des Gefängnisses
zu vergleichen und so ins Gespräch zu kommen.»
Zur Illustratorin Andrea Peter
Zusammen mit der Berner Illustratorin Andrea Peter entwickelte Save the Children ein Wimmelbild, das den Gefängnisalltag kindgerecht dargestellt. In vielschichtigen, illustrierten Szenen wird erlebbar, was für Kinder oft schwer in Worte zu fassen ist. Andrea Peter studierte in Bern und Luzern und bringt mit ihrem Hintergrund in Kunstpädagogik und Illustration die nötige Sensibilität und gestalterische Tiefe in das Projekt ein. Sie hat bereits mehrere Kinderbücher veröffentlicht und arbeitet bevorzugt mit Bleistift, Siebdruck und Gouache.
