Jeder Krieg ist ein Krieg gegen Kinder. In den folgenden Abschnitten finden Sie eine nicht abschliessende und kompakte Zusammenstellung über die Aktivitäten von Save the Children in der Ukraine, in den Nachbarländern und in der Schweiz.

Save the Children leistet in der Ukraine und den Nachbarländern humanitäre Hilfe.

In der Ukraine, mitten in Europa, herrscht Krieg. Es gab bereits mehr als 6500 zivile Todesopfer – darunter über 400 Kinder – über 10’000 Menschen wurden bisher verletzt. Inzwischen sind mehr als 7,91 Millionen Menschen in andere europäische Länder geflohen, weitere 6.6 Millionen innerhalb des Landes. Unzählige Familien wurden auseinandergerissen.

Unsere Teams sind im Einsatz, um die grosse Not zu lindern: in der Ukraine selbst und in den Nachbarländern Polen, Rumänien und Moldawien sowie in Litauen und der Schweiz. Lesen Sie nachfolgend mehr dazu.

7.91 Mio.

Menschen sind bereits aus der Ukraine in europäische Länder geflüchtet.*

Winter verschlimmert die Situation

Schnee schmelzen, um Wasser zu gewinnen und Ziegelsteine heizen, um sich zu wärmen: Das ist die bittere Realität für viele Kinder und Familien in der Ukraine. Im Januar sind die Temperaturen in weiten Teilen des Landes auf bis zu -15 °C gesunken. Viele Eltern haben grosse Mühe, ihr Zuhause und ihre Kinder warmzuhalten. Denn nach einer Eskalation der Angriffe im vergangenen Oktober wurden nach Angaben der ukrainischen Regierung die Hälfte der Stromerzeugungskapazität in der Ukraine und etwa 40% der Stromnetze beschädigt. Die Stromausfälle betreffen nun das ganze Land und dauern acht bis 12 Stunden pro Tag.

Stromversorgung für Krankenhäuser kritisch

Krankenhäuser und Schulen werden zwar vorrangig mit Energie versorgt, aber viele betreiben noch immer Brennstoffgeneratoren, um ihre Stabilität und Funktionsfähigkeit zu gewährleisten. Ein Direktor des Bezirkskrankenhauses sagte: «Ein Kind, das in der Kälte geboren wird, braucht besonderen Schutz. Wenn das Krankenhaus [aufgrund eines Stromausfalls] auskühlt, können wir nur einige Stunden am Tag arbeiten.» Danach bleibe ihnen nur die Möglichkeit erste Hilfe zu leisten und auf eine Evakuierung zu warten.

Das Krankenhaus versorgt täglich etwa 600 Patienten und pro Jahr werden hier fast 400 Babys geboren. Save the Children unterstützte das Krankenhaus bei der Anschaffung und Installation eines Festbrennstoffkessels, der im Notfall die Krankenstationen, Operationseinheiten und Kreisssäle warmhält.

Winter ebenso verheerende Bedrohung wie Raketen

Sonia Khush, Landesdirektorin von Save the Children in der Ukraine, sagte dazu: «Die Menschen in der Ukraine stehen jetzt vor dem vielleicht schwierigsten Winter ihres Lebens. Viele Eltern kämpfen darum, ihre Kinder in halb zerstörten Häusern ohne Strom und Heizung warm zu halten, während der Strom ständig ausfällt und die Feindseligkeiten andauern.» Ohne Heizung gehe es um Leben und Tod. Dieser Winter sei für Kinder und vertriebene Familien in der Ukraine ebenso verheerend wie Raketen und Artilleriebeschuss.

Damit es Kinder und ihre Familien in der Ukraine in diesem Winter warm haben, stellen wir mit lokalen Partnern Unterkünfte, Heizungen und Heizmaterialien zur Verfügung. Zudem verteilen wir in unseren Projekten Lebensmittel, Baby- und Hygienesets, Winterkleidung und warme Decken. Weitere Hilfe ist dringend notwendig.

Viele Eltern kämpfen darum, ihre Kinder in halb zerstörten Häusern ohne Strom und Heizung warm zu halten, während der Strom ständig ausfällt.

Sonia Khush Landesdirektorin von Save the Children in der Ukraine

Unsere Lebensrettende Hilfe vor Ort

Unsere Mitarbeitenden sind an verschiedenen Standorten in der Ukraine tätig, darunter auch in unseren früheren Einsatzgebieten in Kiew, Donezk und Sloviansk. Wir haben neue Stützpunkte in Lwiw, Czernowitz und Usghurod eingerichtet und arbeiten uns über Winnyzja nach Dinipro im Osten vor. Wir arbeiten mit 23 neuen Partnern zusammen in Saporischschja, Krementschug und Poltawa sowie in verschiedenen Städten des Gebiets Iwano-Frankiwsk.

Durch unsere neue Präsenz verfügen wir über logistische Knotenpunkte, die sich von Lemberg, Usghurod, Czernowitz und Odessa im Südwesten der Ukraine bis zu den wichtigsten Städten an der Kontaktlinie im Osten erstrecken. Das Team hat so beispielsweise in Tschernizwi Nahrungsmittelhilfe geliefert.

In Mykolajew, im stark umkämpften Süden der Ukraine, unterstützen wir das Kinder­krankenhaus mit dringend benötigten medizi­nischen Geräten und Mate­rialien. Zusammen mit dem Partner Crown Agents, einer gemein­nützigen inter­nationalen Entwick­lungs­gesell­schaft in der Ukraine, liefern wir mehr als 60'000 Sets mit Erste-Hilfe-Materialien zur Verteilung an Kranken­häuser und andere Erst­versorger. Diese medizinischen Materia­lien dienen zum Stillen von Blutungen und zur Behandlung von Verlet­zungen, darunter Verbands­material und Ader­pressen. Sie gehören laut ukrainischem Gesundheits­ministerium zu den aktuell dringendsten Dingen, die für die Behandlung der vielen Verletzten nötig sind.

In Kramatorsk, in der Region Donetsk etwa 200 km nördlich von Mariupol, haben wir zunächst für etwa 1'300 Familien 9'000 Liter Trinkwasser bereitgestellt. Die Lieferung ist Teil unserer Hilfe rund um sauberes Wasser und Hygienemassnahmen, die wir zusammen mit anderen Hilfsorganisationen in der Ukraine koordinieren. Wo es gebraucht wird, stellen wir Trinkwasserautomaten auf bzw. verteilen grosse Trinkwasserkanister und Wasserflaschen wie in Kramatorsk.

Save the Children unterstützt die ukrainischen Behörden unter anderem dabei, das Online-Lernsystem des Landes zu verbessern, damit Kinder weiterhin Zugang zu Bildung haben. Doch auf der Flucht oder in umkämpften Gebieten ist das Internet schlecht – die Kinder haben dort keinerlei Chance auf Unterricht. Deshalb verteilen wir zusätzlich Pakete mit Spielzeugen sowie Lehrmittel an Kinder, die ihre Zuflucht nicht verlassen können und richten in Notunterkünften digitale Lernzentren ein.

Über 106'786 Menschen sind bereits über die Grenze nach Rumänien geflüchtet.* In Rumänien gibt es fünf Asylzentren. Save the Children bietet Sozial-, Freizeit- und Bildungsdienste in Form von kinderfreundlichen Räumen und Mutter-Baby-Bereichen in Asylzentren, Aufnahmezentren und wichtigen Verkehrsknotenpunkten wie dem Bukarester Nordbahnhof an. Weitere kinderfreundliche Räume wurden durch unser Team am Grenzübergang Siret und im Romexpo-Kongresszentrum in Bukarest einrichten, das zu einer Unterkunft für Flüchtlinge umgebaut wird.

Weiter bietet Save the Children den Asylbewerbern in den Unterbringungs- und Verfahrenszentren ständige Unterstützung, einschliesslich der Durchführung von Aktivitäten in kinderfreundlichen Räumen, psychosoziale Beratung und materieller Unterstützung.

Weiter werden Lebensmittel, Sim-Karten für Telefone, Spielzeug, Windeln und andere Hygieneartikel an die Kinder und ihre Betreuerinnen und Betreuer verteilt, sowie psychosoziale Unterstützung und Kinderschutz gewährleistet.

Über 129'000 Menschen, darunter mehr als 75'000 Kinder konnten wir mit unserer Hilfe bisher erreichen. In die Republik Moldau, die pro Kopf die meisten Geflüchteten aufgenommen hat, haben wir von Rumänien aus vor allem Hygieneprodukte geschickt, die in etwa 100 Flüchtlingsunterkünften verteilt wurden.

Über 1.55 Millionen Menschen sind bereits über die Grenze nach Polen geflüchtet.* In Polen haben wir innerhalb weniger Wochen ein Länderbüro gegründet und sind dort seit Mitte April 2022 als Stiftung registriert. So können wir schneller und effektiver helfen. Wir unterstützen auch in Polen geflüchtete Familien mit Bargeldzahlungen, damit sie sich mit dem Nötigsten versorgen können.

In der Nähe von Krakau haben wir gemeinsam mit einem lokalen Partner eine ukrainische Schule eröffnet, in der geflüchtete Kinder weiter lernen können. In sechs Empfangszentren entlang der polnisch-ukrainischen Grenze können sich Kinder in unseren sicheren Schutz- und Spielräumen von den Strapazen der Flucht und ihren oft traumatischen Erleb­nissen erholen und in Ruhe mit­einander spielen. Zudem unterstützen wir 20 digitale Lernzentren und verteilen rund 600 Tablets an unsere Partner, damit wir gemeinsam sicherstellen können, dass Kinder weiterhin Zugang zu Schulbildung haben.

In Litauen gibt es ein temporäres Migrantenzentrum in Alytus (Stadt zwischen der polnischen Grenze und Vilnius): Dies ist der Ausgangspunkt für Migrierende, die nicht wissen, wohin sie gehen sollen. In diesem Migrantenzentrum arbeitet Save the Children mit anderen NGOs, dem Innenministerium, mit der Grenzpolizei sowie der örtlichen Gemeinde zusammen. Migrierende kommen kurzfristig hier unter, können schlafen, werden verpflegt und mit dem Nötigsten versorgt. Darüber hinaus wurde ein Call Center errichtet, damit sich Geflüchtete, die nicht weiterwissen, melden können. Die derzeitige Telefonnummer wird in eine nationale Hotline umgewandelt. Sie wird Familien aus der Ukraine an eines der elf Save the Children-Familienuntersützungsteams weiterleiten, die in allen fünf grösseren Städten und anderen Teilen des Landes stationiert sind.

Save the Children hat das offizielle Mandat, sich um Kinder und schwangere Frauen zu kümmern. Dafür werden u.a. kinderfreundliche Räume eingerichtet. In Alytus gibt es deshalb eine örtliche Kindertagesstätte, die von Save the Children betreut wird. In Marijampole ist zudem ein zweites Migrationszentrum von der Regierung geplant.

Ein weiterer kinderfreundlicher Raum wird in Kaunas eröffnet. Save the Children arbeitet in allen sechs Registrierungszentren. Das Team verteilt lebenswichtige Non-Food-Artikel und bietet Sozial- und Vermittlungsdienste an.

Unsere Hilfe in der Schweiz

Seit Februar 2022 haben sich in der Schweiz über 77’045 geflüchtete Personen aus der Ukraine registriert. Der rasche Anstieg an Geflüchteten und die kaum abschätzbare Grössenordnung und Dauer des Krieges führen zu einem erheblichen Druck auf das Schweizer Asylwesen. Dies hat Auswirkungen auf den Schutz und das Wohl aller geflüchteten Kinder, wobei Kinder mit besonderen Bedürfnissen und ohne Begleitung ihrer Eltern besonders verletzlich sind. Save the Children unterstützt geflüchtete Kinder aus der Ukraine in der Schweiz mit folgenden Hilfeleistungen:

Icon Familie

1. Stärkung von geflüchteten Kindern durch kreative Aktivitäten Viele Eltern berichten über Unruhe, Ängste und weitere psychische Belastungen der Kinder aufgrund der Erlebnisse und der gegenwärtigen Situation. Leider fehlen in Asylzentren oftmals Einrichtungen für Kinder zum Spielen oder zum Entspannen. Hier unterstützt Save the Children Schweiz Asylunterkünfte in der ganzen Schweiz mit Familienpaketen (Lern- & Spielanleitungen, Stifte, etc.), Informationsmaterialien in Ukrainisch oder Russisch (Entspannungsübungen, etc.) und mit Traumakit.

Icon Boy

2. Stärkung des Kindesschutzes und der kindgerechten Unterbringung Derzeit werden im Eiltempo neue, temporäre Unterkünfte eröffnet, teilweise allerdings in für Kinder nicht geeigneten Gebäuden. Wir tragen zu einem erhöhten Kindesschutz bei, indem wir Beratungen zur kindergerechten Unterbringung durchführen und materielle und fachliche Unterstützung bei der Umsetzung der Verbesserungsmassnahen leisten.

Icon Buch

3. Fachliche Unterstützung Für Gastfamilien, die Minderjährige und Familien aufnehmen, gibt es keine verbindlichen nationalen Standards, die in so einer grossen Anzahl an Gastfamilien und in kurzer Zeit umsetzbar oder überprüfbar wären. Deshalb unterstützen wir Organisationen, die Gastfamilien begleiten oder weitere Unterbringungs- oder Betreuungsangebote aufbauen, mit unserer Fachexpertise.

Zudem ist es uns ein zentrales Anliegen, die Bedürfnisse aller geflüchteten Kinder und deren Familien abzudecken, indem wir in den kommenden Jahren unsere Arbeit hinsichtlich kindgerechten Unterbringungs- und Betreuungsstandards im Asylbereich ausbauen (z.B. Begleitung beim Aufbau von Kinderfreundlichen Räumen und Aktivitäten, und Stärkung von niederschwelliger Elternarbeit im Asylbereich) sowie Minimalstandards für alle geflüchtete Kinder in der Schweiz erarbeiten. Dies kommt sowohl ukrainischen wie auch allen anderen geflüchteten Kindern und ihren Familien zugute.

Humanitäre Hilfe seit 2014

Die Kinder in der Ostukraine haben bereits seit acht Jahren unter Beschuss und Gewalt gelitten. Viele sind aus ihren Häusern vertrieben worden. Luftangriffe und Explosionen haben dazu geführt, dass wichtige Einrichtungen wie Schulen und Krankenhäuser beschädigt wurden. Seit dem 24. Februar 2022 haben fast sechs Millionen Menschen die Grenzen von der Ukraine in die Nachbarländer überquert – darunter mindestens drei Million Kinder. Die Auswirkungen des Konflikts auf Kinder sind verheerend. Während dieser Krieg tobt, zielt unsere Krisenhilfe in der Ukraine darauf ab, 3,5 Millionen gefährdete Kinder und ihre Familien zu erreichen.

*Quelle: UNHCR – http://data2.unhcr.org/en/situations/ukraine

Icon Weltkugel

Weltweit vernetzt, gehört Save the Children jeweils zu den ersten humanitären Organisationen, die im Not- und Katastrophenfall vor Ort lebensrettende Hilfe für Kinder und ihre Familien leisten und ist bereits seit 2014 in der Ukraine tätig.