In jedem Mädchen steckt eine Pippi Langstrumpf

Anlässlich ihres 75. Geburtstags setzt sich Pippi Langstrumpf in einer weltweiten Kampagne gemeinsam mit Save the Children und Unterstützern aus Wirtschaft und Öffentlichkeit für die Stärkung von Mädchen auf der Flucht ein.

Aber ich habe Geburtstag und da kann ich euch ja wohl auch etwas schenken!

Pippi Langstrumpf

Zusammen stark für Mädchen in Not

Gemeinsam mit Pippi Langstrumpf – dem stärksten Mädchen der Welt – und vielen Unterstützerinnen und Unterstützern geben die Astrid Lindgren Company und Save the Children Mädchen auf der Flucht eine Stimme. Denn jedes Mädchen hat das Recht, ihre eigene Geschichte zu erzählen und gehört zu werden.

In jedem Mädchen steckt eine Pippi

Vor 75 Jahren liess Astrid Lindgren, die Autorin der Kinderbuchreihe „Pippi Langstrumpf“, das stärkste Mädchen der Welt zu ihrem ersten Abenteuer aufbrechen. Mit einem Segelboot überquerte sie den Pazifik, nur um sich schliesslich in einer neuen, unbekannten Stadt wiederzufinden.

Auch im Jahr 2020 gibt es viele solch starke Mädchen, die aus ihrer Heimat fliehen müssen. Mehr als die Hälfte der 68,5 Millionen Menschen, die heutzutage auf der Flucht sind, sind Kinder. Darunter befinden sich viele Mädchen, die besonders unter den traumatischen Bedingungen einer Flucht leiden und Gefahren ausgesetzt sind.
Oft haben sie, anders als Pippi, keine andere Wahl als ihr zu Hause zu verlassen. Sie müssen lange und gefährliche Wege auf sich nehmen, um dann in neuen Städten, und unbekannten Ländern zu landen. An Orten, wo alle anders reden und anders leben und sie fremd sind.

Diese Mädchen müssen stark sein für sich selbst, für ihre Geschwister und oftmals auch für ihre Eltern. Und trotzdem sind sie voller Mut und haben wie jedes Kind den Wunsch zu lernen und sich weiterzuentwickeln. Genau wie Pippi können auch diese Mädchen die grossen Herausforderungen in ihrem Leben meistern. Sie alle sind Pippis von Heute – Pippis of Today.

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SO HELFEN WIR MÄDCHEN AUF DER FLUCHT

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In den Herkunftsländern: Wir verbessern die Chancen für Familien, ihren Lebensunterhalt zu erwerben, arbeiten daran, geschlechtsspezifische Gewalt und Kinderehen zu verhindern, sowie den Zugang zu Bildungsmöglichkeiten nachhaltig zu stärken.

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Während der Flucht: Wir arbeiten mit Behörden und verbessern ihre Fähigkeiten, Mädchen auf der Flucht zu helfen. Wir bieten psychologische und psychosoziale Unterstützung und stellen sicher, dass Mädchen Zugang zu Bildungsmöglichkeiten und einer funktionierenden Gesundheitsversorgung haben.

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In den Aufnahmeländern: In der Schweiz tragen wir dazu bei, dass Kinder in Asylzentren eine kinderfreundliche und -gerechte Umgebung antreffen und somit einen Ort haben, in dem sie zur Ruhe kommen können und betreut sind.

Lesen Sie hier die Geschichten der Pippis von heute!

In jedem Mädchen steckt eine Pippi Langstrumpf. Du kannst es in ihrer Stimme hören, in ihren Augen oder in ihrem Haar sehen. Es ist eine Stärke, die ihr Hoffnung und Mut verleiht, ihr hilft, Herausforderungen zu meistern und manchmal anders zu sein als andere.

Einige Mädchen müssen mehr bewältigen als andere. Angst, Einsamkeit und Verletzlichkeit. Unsichtbar für die Welt. Erlebnisse, die manchmal einer besseren Zukunft im Weg stehen. Zu ihnen gehören die Mädchen, welche sich auf der Flucht vor Krieg und Armut befinden. Die Zahl von Mädchen auf der Flucht ist seit dem Zweiten Weltkrieg nie mehr so hoch gewesen wie heute. Ihre Geschichten müssen erzählt und gehört werden.

Deshalb hat Save the Children mit 13 Mädchen auf der Flucht gesprochen. In den Interviews erzählen sie von ihren Erlebnissen, geben Einblick in ihren aktuellen Lebensalltag und ihre Träume für die Zukunft. Ihre Stärke, ihr Mut und ihr Optimismus sind beeindruckend – sie sind die Pippis von heute.

“Alles, was ich mitgebracht habe, passt in meine kleine Tasche."

Luisa (12)

Luisa

Luisa (12)

Luisa ist ein sehr kluges und fröhliches Mädchen. Trotz ihrer aktuellen Situation scheint sie sehr selbstbewusst und widerstandsfähig. Ihr Optimismus ist ansteckend und hilft ihr durch diese schwierige Zeit.

„Ich packte meine Kleider, meine Notizbücher und ein paar Bücher. Und etwas Stoff, aus dem ich Kleider für die Puppe meiner kleinen Schwester mache.“ sagt Luisa. Sie ist 12 Jahre alt und eine von über einer Million Menschen, die aufgrund von Nahrungsmittelknappheit, wirtschaftlicher Not und zunehmender Gewalt aus Venezuela in das benachbarte Kolumbien geflohen sind.

„Ich kam mit meinem Vater über die Grenze, aber er fand Arbeit an einem Ort, wo er mich nicht mitnehmen konnte, also liess er mich hier bei meiner Mutter zurück“, sagt Luisa. „Ich war traurig, Venezuela zu verlassen, weil ich wusste, dass ich meine Verwandten sehr vermissen würde. Aber ich war auch glücklich meine Mutter wiederzusehen. Wir haben uns lange und fest umarmt, als ich sie zum ersten Mal wieder sah.

Die Flucht nach Kolumbien war für Luisa eine grosse Veränderung. Sie kannte sich nicht aus, die Umgebung war völlig unbekannt, die Leute sprachen seltsam, benutzten andere Wörter für Dinge und sie hatte ihre Freunde und Verwandten nicht mehr in der Nähe.

Mädchen, die mit ihren Familien aus ihrem Zuhause vertrieben werden, sind auf der Flucht besonders gefährdet. Luisas Heimat im Grenzgebiet von Kolumbien ist seit Jahrzehnten Schauplatz von kämpfen zwischen Guerillagruppen und der Regierung. Die organisierte Kriminalität, Drogen- und Menschenhandel sind allgegenwärtig und Gewalt ist weit verbreitet.

Luisa musste aufgrund der Flucht die Schule abbrechen. Sie vermisst ihre Schulfreunde, den Park und das Einkaufszentrum, in das sie früher in Venezuela ging. Heute besucht sie den kinderfreundlichen Raum von Save the Children, wo Flüchtlingskinder die Möglichkeit erhalten zu spielen, zu lernen und einfach wieder Kind zu sein. Kinder aus Venezuela haben zwar das Recht, in Kolumbien die Schule zu besuchen, aufgrund der grossen Anzahl Flüchtlinge sind die Kapazitäten der Schulen jedoch schon lange ausgeschöpft.

„Ich bin bis zur sechsten Klasse in die Schule gegangen“, sagt Luisa. „Ich habe bisher nur zwei Monate am Ende des Schuljahres verpasst. Meine Mutter sucht einen Platz für mich in einer Schule hier. Das Beste am Leben in Kolumbien ist, dass ich hier Freunde gefunden habe, ich bei meiner Mutter sein kann, wir ein kleines Haus haben, und ich bei meiner kleinen Schwester bin. Ich habe drei neue Freunde – zwei Mädchen und einen Jungen – mit denen ich spiele. Und wir gehen zusammen in den kinderfreundlichen Raum von Save the Children – dort bin ich jeden Tag“.

Luisa lebt seit der Flucht mit ihrer Mutter, ihrem Stiefvater und ihrer kleinen Schwester in einem Ein-Zimmer-Haus nahe der Grenze. In dieser Gegend leben viele Flüchtlinge und Migranten. Sie möchte Flugbegleiterin werden, reisen und viele Sprachen lernen. Manchmal, wenn die Leute zweifeln und sagen, dass etwas nicht möglich ist, sagt sie: „Die einfachen Dinge? Ich habe sie bereits erreicht. Die schwierigen Dinge? Sie geschehen jetzt. Das Unmögliche? Habe ich noch nicht angepackt, werde ich aber auch noch schaffen.“

Adriana

Adriana (14)

„Wir haben den Fluss in einem Kanu überquert,“ erzählt Adriana. „Ich hatte ein bisschen Angst, aber es blieb uns keine Wahl.“
Die vierzehnjährige Adriana ist aus Venezuela geflohen. Sie lebt mit ihrer Grossmutter, ihrer Tante und zwei ihrer jüngeren Geschwister in Kolumbien, auf der anderen Seite des Flusses der die zwei Länder trennt. Zwei jüngere Geschwister sind immer noch in Venezuela. Ihre Mutter und ihr Vater sind gestorben.

Wir sind hierher gekommen, weil wir dort nichts mehr hatten,“ sagt Adriana. „Manchmal hatten wir nichts zu Essen und wir hatten kein Geld um zu überleben. Wir konnten nicht zur Schule gehen und Wasser gab es oft auch keines.

Wegen der Krise in Venezuela haben fast fünf Millionen Menschen gezwungenermassen das Land verlassen. Gewalt, Nahrungsmittelknappheit und der Kollaps von grundlegenden staatlichen Dienstleistungen wie Bildung oder Gesundheitsversorgung haben das Leben unerträglich gemacht. „Hier in Kolumbien ist es besser als in Venezuela,“ sagt Adriana. „Wir sind hier nicht so hungrig wie in Venezuela. Das Leben ist auch hier schwer, aber ein bisschen besser.“

Kinder – und insbesondere Mädchen – auf der Flucht sind sehr verletzlich. In den Grenzregionen von Kolumbien herrscht ein fragiler Frieden zwischen Guerillagruppen, Regierungstruppen und anderen paramilitärischen Organisationen. Deshalb besteht ein reales Risiko, dass Kinder von solchen Gruppen rekrutiert werden. Etablierte Netzwerke für Kinderprostitution und die konstante Präsenz bewaffneter Männer bedeuten, dass Missbrauch weit verbreitet ist.

Adriana musste die Schule verlassen als sie Venezuela verliess, aber jetzt besucht fast täglich sie einen von Save the Children betriebenen kinderfreundlichen Raum. In diesem Zentrum nah an ihrem zu Hause fühlt sie sich sicher, kann andere Kinder treffen und lernen. Am besten gefallen ihr das Basteln und Malen.

„Ich kann nicht zur Schule gehen, da ich nicht die korrekten Einwanderungsdokumente habe. Aber ich würde sehr gerne hier lernen. Mathe ist mein Lieblingsfach. Ich habe meine eigenen Armbänder und Ohrringe gebastelt,“ sagt Adriana. „Halsketten sind schwieriger zu machen, das habe ich bisher nicht gelernt, weil es sehr herausfordernd ist.“

Es ist schwer für Adriana über die Zukunft nachzudenken. Sie konzentriert sich vor allem auf ihre jüngeren Geschwister und ihre Schwester und ihren Bruder die noch in Venezuela sind. „Momentan denke ich gar nicht über meine eigene Zukunft nach. Ich wünsche mir nur, dass meine Schwestern sich weiterentwickeln können und dass Gott ihnen hilft. Ich träume davon, dass wir alle wieder zusammen sein können.“

Hier stellen wir im Laufe der Kampagne weitere starke Mädchen vor – freuen Sie sich!