Schrittweiser Rückzug aus den Country-Based Pooled Funds (CBPFs) Seit Anfang 2026 zieht sich Save the Children schrittweise aus den CBPFs von UN-OCHA zurück. Dies ist ein bedeutender Schritt für uns – und wir sind überzeugt, dass er notwendig ist, um das humanitäre System zu stärken. Unser Ziel ist eindeutig: Die Führungsrolle lokaler und nationaler Akteure muss stärker anerkannt, gestärkt und strukturell verankert werden.
Auch wenn in den letzten Jahren wichtige Fortschritte zur Stärkung der lokal verankerten internationalen Zusammenarbeit erzielt wurden, bestehen weiterhin substanzielle Herausforderungen auf organisationaler wie auch systemischer Ebene. Dieses Manifest – eine gemeinsame Initiative von Schweizer NGOs und anderen in der internationalen Zusammenarbeit (IZA) tätigen Organisationen – ist ein weiterer Schritt, um gemeinsam strukturelle Veränderungen anzugehen und sich auch unbequemen Fragen zu stellen.
Ein Manifest zur internationalen Zusammenarbeit
Die Diskussion um Dekolonisierung und Lokalisierung der IZA fokussiert oft zu stark auf Finanzflüsse – als genüge es, mehr Mittel direkt an lokale Partner zu vergeben. Dabei bleiben zentrale Machtfragen ausgeblendet: Wer definiert Projekte, trifft Entscheidungen und wessen Expertise zählt? Mehr direkte Finanzierung reicht nicht, wenn strategische Prioritäten weiterhin in der Schweiz festgelegt werden.
Lokale Selbstbestimmung sorgt nicht nur für mehr Wirkung, sondern stärkt auch die Widerstandsfähigkeit von Gemeinschaften, insbesondere vor dem Hintergrund der zunehmenden globalen Herausforderungen.
In den 60er Jahren wurden noch «Experten» und Kühe nach Ruanda verschifft, um die Landwirtschaft zu intensivieren. Heute ist es wichtig, die IZA an lokalen Bedürfnissen auszurichten.
Antwort auf das Erstarken autoritärer Kräfte
Bei der Umsetzung bedarfsgerechter Projekte für lokale Gemeinschaften bestehen jedoch viele Hürden: Starre Geldgebervorgaben erschweren flexible Unterstützung, und Fundraising- oder Kommunikationsstrategien können Partnerschaften auf Augenhöhe widersprechen. Das Manifest dient daher als Leitfaden für Schweizer NGOs und als Appell an Geldgeber, Rahmenbedingungen für eine lokal verankerte IZA zu schaffen.
Das Manifest ist zugleich eine Antwort auf das Erstarken autoritärer Kräfte, die Menschenrechte untergraben, zivilgesellschaftliche Räume einschränken und den Multilateralismus schwächen. Umso wichtiger ist eine internationale Zusammenarbeit, die die Verletzlichsten ins Zentrum stellt – getragen von lokalen Akteur:innen, Schweizer NGOs, Regierungen, Geldgebern, Privatsektor und Wissenschaft als gemeinsame Verbündete für die Menschenrechte.
Lokalisierungsbestrebungen bei Save the Children
Viele der unterzeichnenden Organisationen sind in ihren Lokalisierungsbestrebungen bereits weit vorangekommen. Dennoch bleibt für alle Handlungsbedarf. Denn jede Organisation steht vor eigenen Herausforderungen – und entwickelt entsprechend unterschiedliche Lösungsansätze. Jetzt gilt es, diese Erfahrungen zu bündeln und gemeinsam voranzugehen. Aus diesem Grund hat Save the Children unter anderem folgende Massnahmen beschlossen:
Unterstützung lokaler Führung anstatt Konkurrenz Lokale Organisationen kennen ihre Gemeinschaften auf eine Weise, wie es internationale Akteure nicht können. Sie verstehen die Risiken und Prioritäten und sind vor, während und nach Krisen dauerhaft präsent. Unsere Entscheidung trägt dieser Realität Rechnung und richtet unsere Rolle stärker darauf aus, dort Mehrwert zu schaffen, wo wir am wirksamsten sind: In der Unterstützung lokaler Führung statt in Konkurrenz zu ihr.
Rückzug als Beitrag, um Ungleichgewicht zu verändern Die CBPFs bleiben ein wesentlicher Bestandteil der humanitären Finanzierung. Solange jedoch internationale Nichtregierungsorganisationen (INGOs) weiterhin einen grossen Anteil dieser Mittel erhalten, wird der Fortschritt bei der Lokalisierung begrenzt bleiben. Unser Rückzug ist ein Beitrag dazu, dieses Ungleichgewicht zu verändern.