Diese Reise hat mir gezeigt, wie eng im Südsudan Krise und Widerstandskraft beieinanderliegen und wie entscheidend es ist, dass Kinder medizinische Behandlung, Schutz und Bildung erhalten.
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Hilfe unter schwierigen Bedingungen
Es regnet in Strömen, als unser Flugzeug in Juba, der Hauptstadt des Südsudans, zur Landung ansetzt. Unter uns liegt eine stille, grüne Landschaft, vom Wasser durchzogen. Auch in den Strassen der Stadt, die mehrheitlich aus einstöckigen Hütten besteht, ist kaum Bewegung – wenn es regnet, kommt das Leben zum Stillstand.
Besuch Eines lokalen Spitals in Bor
Am nächsten Morgen fliegen wir weiter nach Bor und besuchen das lokale Spital. Die Stadt ist eine Ansammlung von Hütten und Wellblechdächern; auf der roten, zerfurchten Piste kämpfen sich Tuk-Tuks und NGO-Fahrzeuge durch tiefe Schlaglöcher.
Im Spital ist die Ernährungskrise deutlich spürbar: Stillende Mütter versuchen, wieder zu Kräften zu kommen, viele Kinder wirken erschöpft. Gleichzeitig zeigt sich, wie tatkräftig hier der Mangelernährung begegnet wird. Auf mehreren Feuern kocht eine Frauengruppe Reis mit Erdnusssauce. «Wir möchten nicht immer von der Nahrungshilfe der NGOs abhängig sein», sagt eine von ihnen – es geht um Selbstständigkeit und Würde.
Die Mahlzeiten werden an von Mangelernährung bedrohten Mütter und Kinder verteilt, die wartend vor dem Untersuchungszimmer sitzen. In den Augen der Kleinen liegt Müdigkeit und doch auch manchmal ein leises Lachen.
Überwältigende Not und unermüdliche Hilfe
Im Gebäude nebenan wird mir bewusst, wie schnell Erschöpfung lebensbedrohlich werden kann: Zwölf Betten dicht an dicht unter einem alten, rostigen Blechdach. Kinder, fiebrig vor Malaria oder geschwächt durch Mangelernährung. Draussen trommelt der Regen aufs Dach, drinnen arbeitet das Personal unermüdlich, rund um die Uhr. Was ich hier sehe, ist eine Konsequenz der Lage im Land: Millionen Menschen sind durch Konflikte vertrieben, Ernten gehen durch Dürren und Überschwemmungen verloren.
Für die Familien und Kinder sind Hunger und Armut Alltag.
Maban: Leben in den Geflüchtetenlagern
Im Nordosten des Landes liegt Maban, ein abgelegener Bezirk, in dem über 200’000 Menschen in vier sehr einfachen Camps für geflüchtete Menschen leben. Und doch treffe ich hier, inmitten von Vertreibung und Knappheit, vor allem auf eines: beeindruckende Stärke. Eine Lehrerin mit sieben eigenen Kindern unterrichtet freiwillig 72 geflüchtete Kinder. In einem anderen Camp treffe ich Rugaya. Sie floh schwanger aus dem Sudan, zieht heute zwei Kinder gross und setzt sich dafür ein, Kinder vor Ausbeutung und Gewalt zu schützen.
Als ich den Südsudan verlasse, nehme ich vor allem die Begegnungen mit: Kinder, die erschöpft sind und trotzdem lachen. Mütter, die ihre letzte Kraft zusammennehmen. Menschen wie die Lehrerin in Maban oder Rugaya, die Schutz und Hoffnung möglich machen.
Über 200'000 geflüchtete Menschen leben in den Geflüchtetenlagern im Bezirk Maban.
Nahrungsmittelhilfe in einem der vier Geflüchtetenlager in Maban.
Der Südsudan
Heftige Kämpfe zwischen bewaffneten Gruppen und ein anhaltender Machtkonflikt haben den Südsudan in eine schwere Vertreibungs- und Ernährungskrise gestürzt. Kinder sind besonders betroffen: Bis April 2026 wird voraussichtlich mehr als jedes zweite Kind nicht genug zu essen haben. Rund 3,5 Millionen Kinder werden in den hungerreichsten Monaten des Jahres von akutem Hunger betroffen sein. Überschwemmungen haben Ernten zerstört, Gewalt und ein Choleraausbruch verschärfen die Lage zusätzlich. Der Zustrom von Familien, die vor dem Krieg im benachbarten Sudan fliehen, bringt das Land weiter an seine Grenzen.
Save the Children bietet Ernährungsprogramme für Mütter und Babys an, die von Mangelernährung betroffen sind. In Maban, wo sich mehrere grosse Flüchtlingslager befinden, arbeitet Save the Children im Bereich Kinderschutz und unterstützt lokale Schulen.