Mehr als 100.000 Rohingya-Kinder sind in den vergangenen Jahren in Flüchtlingslagern zur Welt gekommen. Diese Kinder haben seit ihrer Geburt keinen ausreichenden Zugang zu Gesundheitsversorgung und Bildung, keine Bewegungsfreiheit und sind fast vollständig von Hilfe abhängig.

Hamida* (40) und Runa* (3) leben im Rohingya-Flüchtlingslager in Bangladesch und besuchen eine Save the Children Gesundheitsklinik.

Vor drei Jahren flohen mehr als 700.000 Rohingya in die Flüchtlingslager in Bangladesch vor ethnisch motivierter Gewalt.

Aktuell leben über 450.000 Rohingya-Kinderflüchtlinge in Bangladesch.

Nur 13% der Jungen und 2% der Mädchen im Alter von 15-18 Jahren gehen dabei zur Schule. Save the Children ist vor Ort und hilft den am stärksten Benachteiligten.

Die meisten der insgesamt 108.037 Kinder, die in Camps in Myanmar und im benachbarten Bangladesch geboren wurden, gehören der Rohingya-Volksgruppe an, deren gewaltsame Vertreibung aus ihren Dörfern im myanmarischen Bundesstaat Rakhine sich am 25. August 2020 zum dritten Mal jährt. Andere zählen zur Volksgruppe der Kaman.

„Die Regierung und die Bevölkerung von Bangladesch haben die Rohingya grosszügig aufgenommen. Aber nach drei Jahren ist noch immer keine nachhaltige Lösung für diese Flüchtlingskrise in Sicht“, beklagt Onno van Manen, Länderdirektor von Save the Children in Bangladesch. „Die Kinder und Familien müssen die Möglichkeit bekommen, freiwillig, sicher und in Würde nach Myanmar zurückzukehren. Die Mächtigen der Welt – insbesondere diejenigen mit engen Beziehungen nach Myanmar – müssen alles tun, um eine schnelle Lösung zu unterstützen. Wir können nicht zulassen, dass die Jahre ins Land ziehen und Mädchen und Jungen ihre gesamte Kindheit in Gefangenschaft verbringen müssen.“

Bangladesch hat die Rohingya grosszügig aufgenommen. Aber nach drei Jahren ist noch immer keine nachhaltige Lösung für diese Flüchtlingskrise in Sicht.

Onno van Manen Länderdirektor von Save the Children in Bangladesch

700.000 Menschen vertrieben

Mehr als 700.000 Rohingya waren seit August 2017 vor der brutalen Gewalt nach Bangladesch geflohen, laut UNO handelte es sich bei dieser gewaltsamen Vertreibung um ethnische Säuberung. Im Flüchtlingslager von Cox’s Bazar leben aktuell schätzungsweise 75.971 Rohingya-Kinder unter drei Jahren (Stand 31. Mai 2020), das entspricht neun Prozent der Bewohner.

Im Bundesstaat Rakhine in Myanmar flohen bereits seit 2012 zehntausende Rohingya und Kaman vor ethnisch motivierter Gewalt gegen die beiden muslimischen Minderheiten. Im Zentrum von Rakhine lebten im Dezember 2019 insgesamt schätzungsweise 32.066 Kinder unter sieben Jahren in 21 Vertriebenenlagern. Das ist ein Viertel der Gesamtzahl der Binnenvertriebenen.

Mehr als 30.000 Kinder in den Lagern von Rakhine kennen kein anderes Leben, keine Möglichkeit, die Welt draussen zu erkunden oder ihre Städte und Dörfer zu besuchen.

Mark Pierce Länderdirektor von Save the Children für Myanmar, Sri Lanka und Thailand

„Kein Kind sollte in einem geschlossenen Lager geboren werden, abgeschottet von Kindern anderer ethnischer oder religiöser Gemeinschaften. Wir müssen verhindern, dass eine ganze Generation von Kindern in erzwungener Segregation aufwächst, denn das führt zu noch mehr Spaltung.“

„Fast drei Jahrzehnte, nachdem Myanmar die UNO-Konvention über die Rechte des Kindes ratifiziert hat, muss das Land sein Versprechen einlösen, die Rechte aller Kinder zu garantieren“, fügt Mark Pierce hinzu. „Langfristige Lösungen müssen dringend umgesetzt werden, um Bewegungsfreiheit, Staatsbürgerschaft und andere Grundrechte für Rohingya-Kinder und ihre Familien zu gewährleisten.“

In Unfreiheit geboren: Zwei Beispiele

Rajiya* wurde 2019 im Flüchtlingslager von Cox’s Bazar in der Mutter-Kind-Station von Save the Children geboren. Der Fotoreporter Dominic Nahr fotografierte das Mädchen, als es 15 Tage alt war. Rajiyas* Mutter Jannat* war im August 2017 aus Myanmar nach Bangladesch geflohen. Im Lager lernte sie einen Mann kennen, heiratete ihn, wurde schwanger, doch der Vater von Rajiya* verliess Jannat* kurz darauf für eine andere Frau. Die junge Mutter ist allein und verzweifelt. Sie sagt: „Das Leben in Myanmar ist für uns voller Leid. Es gibt für uns keine Gerechtigkeit, kein Gesetz, nichts.“

Die dreijährige Runa* kam während der beschwerlichen Flucht ihrer Mutter über die Grenze zwischen Myanmar und Bangladesch auf die Welt. Runa* leidet an chronischer Unterernährung. „Ich mache mir Sorgen um die Ausbildung meiner Kinder, ihre Zukunft, ihr Verhalten", sagte Runas Mutter Hamida* zu Save the Children. „Ich kann ihnen nicht geben, worum sie bitten, da wir kein Geld haben. Wir können ihre Träume nicht erfüllen. Wir können sie nicht lieben und uns nicht richtig um sie kümmern. Deshalb bin ich sehr traurig. Ich kann sie nicht mit gutem Essen versorgen. Wenn sie um etwas bitten, kann ich es ihnen nicht geben."

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